Beratungs- und Informationszentrum für Migrantinnen und ihre Familien

Zahlen

Nach einer Bund-Länder-Abfrage, die das Bundeskriminalamt im Jahr 2006 durchgeführt hat, wurden im Zeitraum von 1996 bis 2005 bundesweit im Kontext der „Ehre“ siebzig Opfer bekannt: 48 Menschen wurden ermordet, 22 überlebten einen Tötungsversuch. 48 der 70 Opfer sind Frauen. 15 – d.h. mehr als 20 % - waren noch keine 21 Jahre alt. Leider liegen zur Zeit keine aktuelleren Zahlen vor. Das Bundeskriminalamt hat aber eine neue Untersuchung in Auftrag gegeben, die 2011 veröffentlicht werden soll.

Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Ehrenmorde und andere Gewaltdelikte „im Namen der Ehre“ werden nicht als solche identifiziert, denn eine gesonderte polizeiliche Statistik zu Gewaltverbrechen im Namen der Ehre existiert nicht. Die „der Ehre“ zuzuordnenden Straftaten (Freiheitsberaubung, Nötigung, Mord...) gehören statistisch unterschiedlich erfassten Deliktfeldern an.

Noch schwieriger ist es, verlässliche Zahlen zum Ausmaß von Zwangsheiraten anzugeben, zumal die Grenze zwischen arrangierter Ehe und Zwangsverheiratung oft fließend ist. Nach Angaben von Amnesty International ergab eine Umfrage des Berliner Senats, dass sich im Jahr 2002 allein 230 Mädchen und junge Frauen aus Angst vor Zwangsverheiratung in Hilfseinrichtungen der Stadt flüchteten. Fast 70 % von ihnen waren minderjährig, 30 % hatten schon einen Selbstmordversuch hinter sich. Alle Fachleute sind sich darin einig, dass die Dunkelziffer bei Zwangsverheiratungen sehr hoch ist.


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