Beratungs- und Informationszentrum für Migrantinnen und ihre Familien
In den vergangenen Jahren sind die Themen "Gewalt im Namen der Ehre", Zwangsheirat und Ehrenmord verstärkt in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Möglicherweise werden auch infolgedessen Beratungsstellen, die im Bereich Migration arbeiten, immer häufiger mit Fällen konfrontiert, in denen bedrohte junge Frauen oder junge Paare ebenso wie bereits verheiratete Frauen Unterstützung suchen.
Oft befinden sich die Hilfesuchenden in ernsten Gefahrensituationen. Doch im Vorfeld eines Verbrechens ist die Beweislage für eine konkrete Gefahr meistens nicht gegeben. Dazu kommt, dass die Betroffenen aufgrund der starken emotionalen Bindung an die eigene Familie oft keine Strafanzeige stellen. Von klein auf dazu erzogen, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse denen der Familie unterzuordnen, fügen sich viele Mädchen und junge Frauen in die patriarchalische Tradition und die damit verbundene Einschränkung ihrer Rechte.
Manchen Jugendlichen und Frauen gelingt es, sich den Vorstellungen ihrer Familie zu widersetzen und sich mutig von den damit verbundenen Zwängen zu befreien. Doch viele von Ehrgewalt Betroffene suchen keine Unterstützung – sei es aus Angst vor einem Bruch mit ihrer Familie und vor gewaltsamen Reaktionen, sei es aufgrund fehlenden eigenen Einkommens, eines unsicheren Aufenthaltsstatus oder aus Unkenntnis von Rechtslage und bestehenden Hilfsmöglichkeiten. Dieses Zusammenspiel von Motiven und Hintergründen hat zur Folge, dass bedrohte Personen und potentielle Opfer von schwerer Gewalt keine Hilfe und keinen präventiven Schutz erfahren.
Die ausgesprochen schwierige Situation der von Ehrgewalt Betroffenen erfordert eine umfangreiche qualifizierte und spezialisierte Beratung und einen der Situation angepassten Opferschutz.