Beratungs- und Informationszentrum für Migrantinnen und ihre Familien
Für FIM e.V. ist Beratung professionelle Intervention und entwicklungsorientierte Unterstü-tzung in sozialen, psychischen, pädagogischen und interkulturellen Problembereichen. Dabei ist es zum Verständnis der jeweiligen Lebenssituation, der Konflikte und Orientie-rungsprobleme von Migrantinnen in Krisensituationen besonders wichtig, dass ihre sozialen, kulturellen und familiären Hintergründe in die Beratung miteinbezogen werden.
Die FIM-Beraterinnen verfügen über handlungsfeldspezifisches Wissen, das u.a. Fakten zum Zuwanderungs-, Asyl-, Familien- und Sozialrecht sowie straf- und zivilrechtliche Kenntnisse in Bezug auf Menschenhandel und Opferschutz umfasst. Darüber hinaus sind ihnen die strukturellen Zusammenhänge in diesen Themenfeldern vertraut.
Eine besondere Stärke der FIM-Beraterinnen, die zu einem großen Teil selbst Migrations-erfahrungen haben, ist ihre kulturelle und interkulturelle Kompetenz. Umfassendes Hinter-grundwissen über die Lebenswelten der Klientel, beispielsweise auch zu Themen wie weiblicher Genitalbeschneidung, sowie die Fremdsprachenkompetenzen bei FIM sind die Voraussetzung für das niedrigschwellige Beratungsangebot.
Die Beratung ist mit dem Aus- und Aufbau eines interdisziplinären und interinstitutionellen Netzwerks und einer vertrauensvollen Kooperation sowohl mit Einrichtungen und Behörden hier vor Ort als auch fallweise mit Institutionen und Organisationen im Herkunftsland verbunden.
Bei Bedarf interveniert FIM bei Behörden und Institutionen zur Wahrung der Grund- und Menschenrechte, wie z.B. zum Schutz der physischen und psychischen Unversehrtheit, zum Wohl des Kindes, zur Sicherung des Lebensunterhalts und zum Schutz vor Gewalt.
Bei Menschenhandelsopfern oder auch bei Opfern schwerer häuslicher Gewalt ergeben sich besondere Beratungsanforderungen in Form einer intensiven Einzelarbeit über einen längeren Zeitraum hinweg. Für Betroffene von Menschenhandel ist es z.B. erforderlich, überhaupt erst einmal ein funktionierendes soziales Umfeld aufzubauen. Bei von Ehrgewalt bedrohten Frau-en dagegen kann eine Schwierigkeit darin bestehen, dass sie bisweilen sehr plötzlich ihr soziales Umfeld verlassen müssen, so dass dieses nicht als stabilisierender Faktor mit einbezogen werden kann.
Ein besonderes, niedrigschwelliges Angebot ist die aufsuchende Sozialarbeit in Form der Streetwork. Dabei suchen FIM-Sozialarbeiterinnen Bordelle und andere Etablissements im Rotlichtmilieu auf, treten mit den dort arbeitenden Migrantinnen in Kontakt, verteilen Informationsbroschüren und vereinbaren Beratungstermine bzw. beraten bei Bedarf vor Ort. Ein besonderes Streetwork-Angebot ist der Nachtbus auf dem Frankfurter Straßenstrich, den FIM gemeinsam mit der Frauenberatungsstelle (Frankfurter Verein für soziale Heimstädten e.V. und VAE) betreibt.
Langfristiges Ziel der Beratung ist die Selbsthilfe und die Übernahme eigener Verantwortung für konkrete Entscheidungen und Handlungen, das Empowerment. Dabei dient die Beratung der Integration in die deutsche Gesellschaft, etwa wenn die Klientinnen bei der Alltagsbewältigung unterstützt werden und sie mit dem deutschen Bildungs- und Gesundheitssystem vertraut gemacht werden.
Kurzfristig geht es oft um ganz konkrete, sofortige Hilfeleistungen, z. B. um Schutz vor Gewalt oder um Unterstützung der Hilfesuchenden bei aufenthaltsrechtlichen Fragen, bei der Existenzsicherung oder bei drohender Wohnungslosigkeit.
Die Beratung bei FIM ist personenzentriert und erfolgt in einem dialogischen Prozess. Handlungsoptionen und Veränderungsmöglichkeiten zur Problembewältigung werden gemeinsam mit den Klientinnen entwickelt. Die Veränderungsbereitschaft der Klientinnen ist dabei ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Problembewältigung. Wichtige Ansatzpunkte in der Beratungsarbeit zielen darauf ab, systemische Zusammenhänge zu erkennen, persönliche Ressourcen zu stärken und soziale Potenziale zu erschließen. Mit verschiedenen Interventionstechniken werden in der Beratung Lösungen erarbeitet und die Klientinnen dazu motiviert, diese eigenverantwortlich umzusetzen.
Die Beratungen erfolgen in der Regel in der Landessprache der Klientinnen. Die FIM-Mitarbeiterinnen beraten außer auf Deutsch auf Amharisch, Bulgarisch, Englisch, Französisch, Rumänisch, Spanisch, Tagalog, Thailändisch und Tigrinya. Für weitere Sprachen, die in der Beratung Hilfesuchender notwendig werden, kann FIM auf ein Netzwerk von Dolmetscherinnen zurückgreifen, das beständig gepflegt und ausgebaut wird.
FIM arbeitet mit einem multiprofessionellen Netzwerk zusammen, zu dem u. a. Frauenhäuser, Erziehungsberatungsstellen und Rechtsanwälte/-innen gehören, aber auch staatliche Stellen wie die Ausländerbehörde, Jugend- und Sozialämter, die Staatsanwaltschaft, die Polizei sowie Konsulate und Botschaften.
Das Beratungsangebot von FIM ist kostenlos und vertraulich, auf Wunsch anonym. Die Beraterinnen unterliegen der Schweigepflicht. Neben den Terminen nach Vereinbarung gibt es telefonische Sprechzeiten, im Notfall auch Beratungen ohne Termin.